phantastische Geschichten & uralte Märchen

                                     

Lieber den Spatz in der Hand ...

... als die Taube auf dem Dach!


Die Spatzensteuer unter Herzog Karl Eugen

Am 6. Juni des Jahres 1789 hat Karl Eugen, Herzog von Württemberg (Regierungszeit: 1693-1733), eine neue "Spatzensteuer" kundgetan. Jeder württembergische Untertan hatte im Jahr ein Dutzend Spatzen abzugeben. Und zwar: lebende Spatzen. Damit keiner auf die Idee kam, einfach bloß einen eh schon toten Vogel vom Wegrand zu klauben und ihn als einen selbst gefangenen auszugeben. Wer sein Dutzend lebender Spatzen ablieferte, bekam sechs Kreuzer ausbezahlt. Wer das nicht tat, musste zahlen. Und zwar doppelt so viel: 12 Kreuzer Spatzensteuer.

Es gelang nur wenigen Untertanen, das lebendige Spatzensoll vorschriftsmäßig zu erfüllen, denn zum Fangen der Vögel konnten ja weder Armbrust, Schleuder, Steine oder Katzen zum Einsatz gebracht werden.

Auf die Weise verdiente der Herzog auf leichte Weise Geld. Bis zu dem Augenblick, als manche Bürger dazu übergingen, die Tiere zu züchten, um die Prämie einzunehmen.

Kommt womöglich daher auch der Satz: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach!“?

 


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